Pflanze des Monats August 2017

Brombeere (Rubus sectio Rubus )

 

Haben Sie schon genascht?

Bei Spaziergängen im August kann ich einfach nicht widerstehen, mich an den zahlreichen Brombeerpflanzen links und rechts des Weges zu bedienen. Mal sind sie klein, mal dick und saftig, schmecken sauer oder süß, fruchtig oder herb-bitter. Kurz gesagt: Sie sind sehr unterschiedlich. In diesem Jahr gibt es schon recht früh eine große Menge der schwarzen Köstlichkeiten, und so sind mir die Unterschiede besonders aufgefallen.

 

Auf der Jagd nach der reifen Frucht bleibt man manchmal an Dornen hängen, denn die Brombeere zählt zu den Rosengewächsen. Das lässt sie uns gelegentlich spüren, wenn wir ihr zu nah kommen. Die Dornen sind botanisch gesehen Stacheln, ebenso wie bei der Rose. Echte Dornen finden wir bei Schlehe und Weißdorn. Dornen wachsen nicht außen auf der Rinde sondern haben ihren Ursprung im Spross der Pflanze. Wenn die Pflanze verholzt, bildet sich eine feste Einheit. Stacheln bleiben hingegen gerne bei Kontakt in der Haut, der Kleidung oder im Fell stecken und lösen sich dann von der Pflanze. Vorsicht ist also angebracht bei der Brombeerernte, wenn man keine weniger wehrhafte Zuchtvariante im Garten hat.

Pflanzenkundige werden mit der Bezeichnung „Beere“ nicht glücklich sein: Das, was wir als eine Brombeere ansehen, ist eine Ansammlung von vielen kleinen Steinfrüchten, die sich auf einem Blütenboden entwickelt haben. Die kleinen Kerne sind also Steine. Wenn die Früchte richtig reif sind, lösen sie sich leicht und gleiten in die Hände.

Gesund sind die Früchte auf jeden Fall, denn sie enthalten Provitamin A, B-Vitamine, die Vitamine C und E sowie unterschiedliche Mineralien.

Hätten Sie gedacht, dass es allein in Westfalen über 150 und in Deutschland gut 500 verschiedene, teils sehr regionale Arten der Brombeere in freier Natur gibt? Unter ihnen ist auch ein wuchsfreudiger, rankender  Gartenflüchtling mit schmackhaften Früchten: Die „Armenische Brombeere“ aus dem Kaukasus. Ihre starke Ausbreitung wird kritisch gesehen, da sie artenarme Dominanzbestände bilden kann. Gefördert wird das Wachstum zusätzlich, wenn durch intensive Landbewirtschaftung der Stickstoffeintrag hoch ist.

Bienen besuchen häufig die pollenreichen weißen bis zart rosafarbenen Blüten und Schmetterlinge lassen sich gerne nieder. Aufgrund der enthaltenen Gerbstoffe kamen die Blätter früher als Heilmittel bei Durchfall  zum Einsatz. Im Gegensatz zu den meisten anderen Pflanzen behält die Brombeere auch im Winter ihr Laub.

 

Obwohl die Brombeere keine Beere ist, ihre Dornen keine Dornen sind und ihre Kerne keine Kerne – ich mag sie und sie hat für mich eine andere besondere Bedeutung: An meinem Hochzeitstag im August denke ich immer auch an meinen Hochzeits-Haarschmuck, den die Floristin aus echten Brombeeren und Rosenblättern kunstvoll erschaffen hatte.

Zum Glück hatte sie dafür nicht die reifen Früchte genommen!

 

Ineke Webermann