Ich mag Gänseblümchen – Sie auch?

Von Rainer Gildhuis (Arbeitskreis Artenvielfalt im Kreis Coesfeld)

 

„Gänseblümchen haben mancherorts durchgeblüht“ las ich im Februar in einem  Zeitungsartikel. Sollte heißen, auch im vergangenen sogenannten Winter haben sie in unserem Rasen, an Wegrändern, auf Brachflächen, oder auf dem Gehsteig in einer Pflasterritze ihre hübschen, aber leider wenig beachteten kleinen Blütenkörbchen  gen Himmel gereckt und an sonnigen Tagen voll entfaltet.

Bellis perennis, aus der Familie der Korbblütler, kommt im deutschen Sprachraum mit über 100 verschiedenen Namen daher. Bei welcher Pflanze gibt es das sonst noch? In meiner Jugendzeit kannte ich sie nur als Marienblümchen. Maßliebchen,  Magdalenenblümchen, Kattenblome, Hunneblome,  Käseblume, Kranzblume oder – mein Favorit aus der Schweiz: Margrittli  (warum wohl?) seien exemplarisch genannt. Der botanische Name bedeutet etwa  „die Schöne und Kräftige“.

Dass unser Gänseblümchen seinem botanischen Namen gerecht wird, beweist es schon dadurch, dass es, einmal im Rasen angesiedelt, praktisch unausrottbar ist. Aber wer, außer dem Greenkeeper auf dem Golfplatz möchte dem Blümchen schon zu Leibe rücken? Längst vorbei sind doch die Zeiten, als selbst in unseren Vorgärten ein handtuchgroßes Golfrasen-Imitat die „Sauberkeit“ im Garten symbolisierte. Oder sollte ich mich da irren? Im Mutterland des gepflegten Grüns jedenfalls setzt man den Daisy-Weed-Killer aus dem Giftschrank noch gern als Kampfmittel ein. Arme Daisy.

Wir ‚Naturgärtner‘ vom AK Artenvielfalt jedenfalls mähen natürlich drum herum, wenn sich Bellis perennis nicht nur halten, sondern auch vermehren soll. So machen wir das bei der „Großen Verwandten“, der Margerite schließlich auch. Und wenn dann die Samenreife erreicht ist, einfach mähen und die Streu auf dem Rasen oder der Wiese locker verteilen. Bis dahin allerdings sollten wir gelegentlich unsere Salate mit vitaminreichen Knospen, Blüten oder zarten Blättchen der Schönen anreichern und schmücken. Und wer’s solo probieren möchte, frisch von der Wiese: Schmeckt einfach köstlich! Wie bei vielen einheimischen  Blumen bzw. Wildkräutern kennt die Volksmedizin heilwirkende Anwendungen,  die aber nicht Gegenstand dieses kurzen Porträts sein können. Im Internet finden sich sowohl für die medizinischen als auch für die kulinarischen Aspekte unseres Blümchens unzählige Quellen.

Apropos „die Kräftige“: Bei Andrea Schwarz ist in ihrem herrlichen Büchlein „Ich mag Gänseblümchen“ zu lesen: ‚Nein, mein Blühen stell ich nicht ein, bloß weil ich zufällig in einem englischen Rasen sitze. Ich blühe einfach weiter vor mich hin und trotze in meiner Kleinheit sogar dem Rasenmäher. Das ist zärtliche Revolution‘. Und dann heißt es noch:  ‚Naturköstler  behaupten, Gänseblümchen ergäben einen hervorragenden Salat. Also, irgendwie, einem Kohlkopf kann ich das eher antun‘.

 

Also, liebe Leserinnen und Leser, das müssen Sie jetzt schon selbst entscheiden.