Pflanze des Monats September 2017

Gewöhnlicher Hopfen (Humulus lupulus)

 

Wissen sie, warum die Oktoberfeste - die ja auch bei uns im Münsterland immer beliebter werden – meist schon im September gefeiert werden? Liegt es am Zeitpunkt der Hopfenernte? Als ich beim Spaziergang vor einer Hopfenpflanze stand, konnte ich mir die Frage nicht spontan beantworten, doch die Idee zur Wildpflanze des Monats September war damit geboren.

 

Beim Hopfen, der zu den Hanfgewächsen zählt, gibt es jeweils weibliche oder männliche Pflanzen. Die typischen zapfenartigen Hopfenähren, die wie kleine Blattkunstwerke aussehen, finden wir nur bei der weiblichen Form. Sie werden zusammen mit Malz, Wasser und Hefe zu dem beliebten blonden Getränk des Oktoberfestes verarbeitet. Dem Bier verleiht der Hopfen seit dem Mittelalter die herb-bittere Note und bessere Haltbarkeit. Verantwortlich dafür das Hopfenharz, das sich über kleine Lupulin-Drüsen in der weiblichen Blüte sammelt. Neben der alpha-Hopfenbittersäure befinden sich dort weit über hundert Inhaltsstoffe, darunter auch hormonell wirksame.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Zuchtsorten mit unterschiedlichen aromatischen Schwerpunkten. Landwirtschaftlich angebaut wird die weibliche Pflanze, deren Blütenstand nur unbefruchtet die gewünschten Inhaltsstoffe enthält. Geerntet wird der Hopfen je nach Sorte und Witterung im August oder September. Die Ernte ist aufwändig: Die Ähren müssen möglichst vollständig geborgen und getrocknet werden, Blattwerk und Stängel sind hingegen nicht zu gebrauchen. Als Kulturpflanze hat der Hopfen in Süddeutschland eine große Bedeutung, wo er auf hohen Gestellen seine Rank- und Kletterkünste ausleben kann. Weltweit größtes zusammenhängendes Anbaugebiet ist das Hopfenland Hallertau in Bayern.

Seine enorme Rankfähigkeit klingt in dem lateinischen Namen an, da der Hopfen sich wie ein Wolf (Lupus) an Bäumen und Sträuchern „festbeißt“. Als Schlingpflanze windet er sich stets rechts herum. Mit seinem Rhizom überdauert er in der Erde und treibt im Frühjahr wieder neu aus. Mit einer Wachstumsgeschwindigkeit von ca. 10 cm pro Tag erreicht er als Kulturform eine Trieblänge von bis zu zwölf Metern. In der Heilkunde werden ihm hauptsächlich schlaffördernde und beruhigende Eigenschaften zugeschrieben und die Kombination mit Baldrian empfohlen.

Der wilde Hopfen kommt in ganz Deutschland vor. Weil er stickstoffreiche Böden bevorzugt, wächst er gerne in Auwäldern und Gebüschen. Er ist jedoch nicht immer auf Anhieb zu entdecken, obwohl er immerhin bis zu sechs Meter Höhe erreichen kann. Als herbstliche Dekoration kommt Hopfen in Gestecken, Kränzen und Girlanden gut zur Geltung.

 

Mittlerweile weiß ich: Das Münchener Oktoberfest wurde im 19. Jahrhundert auf September vorverlegt, weil die Wetterkapriolen die Besucher und Veranstalter arg beutelten. Hoffen wir also, dass die hiesigen Oktoberfeste davon verschont bleiben. Und wenn Sie nach dem zünftigen Oktoberfest Lederhose oder Dirndl gegen das Nachtgewand ausgetauscht haben und trotzdem nicht gut einschlafen können, versuchen Sie es doch mal mit einer Tasse Hopfentee - frisch gebrüht mit ein wenig Baldrian!

 

 

Ineke Webermann, Ottmarsbocholt - Foto: Winfried Rusch