Rotkehlchen und Stechpalme ( Ilex aquifolium)

 

Nun, wo die Tage kälter werden und die Abende länger, höre ich es oft noch singen. Mein Rotkehlchen, das sich übers Jahr im Hintergrund der Gehölze aufhielt, kommt jetzt wieder vermehrt aus dem Gebüsch hervor und sein für die Jahreszeit ungewöhnlicher Gesang schafft es jedes Mal, ein Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern. Es lebt in seinem Lieblingsgehölz, der Stechpalme, in dem es Schutz vor Feinden und gleichzeitig an frostigen Tagen Nahrung findet.

 

Die Stechpalme wächst langsam als Strauch, der sich nach vielen Jahren zu einem bis zu 10 m hohen Baum entwickeln kann und mehrere hundert Jahre alt wird. In der Natur findet man sie meist in Buchen- und Fichtenwäldern. In unseren Gärten werden Stechpalmen hauptsächlich wegen des winterlichen Fruchtschmucks gepflanzt, der jedoch nur die weiblichen Exemplare ziert. Die kleinen roten Beeren entwickeln sich aus unscheinbaren Blüten, die im Winter, nachdem der Frost sie genießbar hat werden lassen, als wichtige Futterquelle für unsere Singvögel gelten. Aber Vorsicht! Für uns Menschen und unsere Haustiere sind die Beeren giftig!

 

Wegen der immergrünen Blätter wurde der Ilex schon von den Kelten und Germanen verehrt. Als immergrüne Pflanze galt er als heilig, man holte sich Zweige ins Haus und in den Stall und erhoffte sich von dem Gehölz Schutz vor bösen Geistern. Denn die guten Waldgeister fanden in den gezähnten, teils stachelig bewehrten Blättern ein Heim und konnten jetzt das Böse kraftvoll vertreiben. Bis heute sind die immergrünen Pflanzen mit den vielen roten Beeren ein Sinnbild für Hoffnung, Unsterblichkeit und auch Liebe

 

Und so verwundert es nicht, dass ein angelsächsischer Brauch, in der Weihnachtszeit einen kleinen Strauß Ilex an den Kamin zu hängen, vermehrt auch bei uns wieder Einkehr hält. Als kräftig grüne Pflanze mit ebenso kräftig roten Beeren symbolisiert sie die weihnachtlichen Farben wie keine andere. Bei uns darf man die streng geschützte Pflanze jedoch nicht der Natur entnehmen.

 

Dafür findet man auf unzähligen Dekorationsartikeln jetzt diese mysthische Pflanze und ganz oft gesellt sich auch mein kleiner Freund dazu, das Rotkehlchen. Es passt mit seinem roten Bauch farblich ganz wunderbar und erinnert uns im Winter mit seiner fast schon zahmen Zutraulichkeit jeden Tag daran, dass man als Vögelchen gern auch ein wenig Futter von uns Menschen annehmen möchte. Es belohnt uns dann auch bald schon wieder mit dem nächsten Gesang, der mich hoffnungsvoll und glücklich macht.