Karde (lat. Dipsacus follonum)

 

Als ich die wilde Karde zum ersten Mal vor etwa 20 Jahren in meinem Garten in Senden erblickte, fand ich sie sehr beeindruckend. Mit ihrer Höhe von fast 2 Metern erhob sie sich fast schon majestätisch über unsere Sonnenhüte, die Goldruten, Malven und viele andere Stauden. Zu diesem Eindruck tragen wohl am ehesten die unter den Blütenständen befindlichen Hüllblätter bei, die bei der wilden Karde nach oben gebogen sind und teilweise über den Blütenstand hinaus ragen. Die 5 – 6 eiförmigen Blütenstände, die auf dem stacheligen Stiel sitzen, ließen mich gleich vermuten, dass hier eine neue Distelart meinen Garten bereichert. Da hatte ich allerdings falsch gedacht! Sie trägt zwar auch noch den Namen Kardendistel, gehört aber zur Familie der Geißblattgewächse. Schon seit tausenden von Jahren ist diese Pflanze bekannt - genutzt wurden die trockenen Blütenstände früher z. B. zum Kämmen  (Karden) und Reinigen von Wolle. Zwar nutze ich die Karde nicht zu diesem Zweck, aber ich bin dennoch froh, dass sich immer wieder die eine oder andere Karde gegen die Konkurrenz durchsetzt. Bei bis zu 2000 Samen pro Pflanze gelingt ihr das meist gut. Schon oft konnte ich beobachten, wie unsere Spatzen oder Meisen die größeren Blattachseln im unteren Teil als Vogeltränke nutzen. Am schönsten ist es aber, den kunterbunten Stieglitz, der ja auch Distelfink heißt, bei der Nahrungssuche an der wilden Karde beobachten zu können. Immer wieder überrascht bin ich, wenn die Pflanze anfängt zu blühen. Die zuerst grünen Blütenblätter, die in der Mitte des Blütenstandes einen Kranz bilden, werden Mitte Juni langsam violett und setzen dann ihre Blühzone nach unten und oben fort, während der mittlere Kranz langsam verschwindet.

Wenn ich heute durch die Landschaft radle, finde ich die Karden häufig  an Wegrändern und Flussufern. Eine Bodenuntersuchung an diesen Stellen können wir uns sparen. Wo diese Pflanzen wachsen, gibt es Lehmboden. Möchten Sie sich an dieser prächtigen Pflanze erfreuen, müssen Sie sich nach der Aussaat etwas gedulden. Im ersten Jahr bildet die Pflanze nur ihre bodenständige Blattrosette, mit der sie Kraft sammelt für ihr Längenwachstum. Erst im zweiten Jahr entwickelt sich die imposante Blüte.

 

Rolf Wiederkehr, Senden