Der Rainfarn (Tanacetum (Chrysanthemum) vulgare)

 

Jetzt ist er da, der Herbst. Etwas wehmütig nehme ich Abschied vom Sommer und schlendere über unsere Pferdeweide in Ottmarsbocholt.

Wiesenkerbel, Klee und Löwenzahn, sie alle hatten ihre Zeit und waren bunte Farbtupfer in der Weide. Längst haben sie Samen für die nächste Saison hervorgebracht.

Wo sind sie denn noch, die Farbtupfer? Ich schaue mich um: Dort am Zaun steht eine stattliche, blühende Pflanze. Wie kleine, curryfarbene Samtknöpfe reiht sich ein Blütenköpfchen an das andere. In ihrer Größe erinnern sie an die bunten Schokolinsen, denen kaum ein Kind widerstehen kann. Doch essen möchte ich die Pflanze nicht, denn sie enthält Giftstoffe wie das Nervengift Thujon. Zudem verbreitet sie einen starken Geruch, der von manchen als würzig, von anderen als unangenehm empfunden wird. Die Blätter sind gefiedert, sie erinnern an Farn. Daher der gängige Name: Rainfarn. Ein Rain ist ein Wegrand, der Hinweis auf den häufigsten Standort.

Selbst im Mittelhochdeutschen hatte die Pflanze schon die Bezeichnung reinvane. Der Rainfarn wurde früher unter anderem zur Bekämpfung von Parasiten eingesetzt. Kopfläuse und Würmer sollte er vertreiben. Ob dies zuverlässig gelang, bleibt fraglich: Die Gefahr, dass der Mensch ebenfalls Schaden erleidet, war groß.

Da möchte ich lieber einen anderen Tipp ausprobieren und ihn gegen Stubenfliegen als Strauß vor dem Fenster aufhängen.

Der Rainfarn gehört - genau wie das Gänseblümchen - zur Familie der Korbblütengewächse. Das Besondere daran: Ein Gänseblümchen sieht aus wie eine einzige Blume oder Blüte. In Wirklichkeit ist jedes einzelne weiße Blütenblättchen eine Zungenblüte. Die Mitte besteht aus zahlreichen Röhrenblüten, die sich dicht an dicht wie in einen Korb schmiegen.

Beim Rainfarn besteht jedes „Knöpfchen“ aus vielen einzelnen gelben Röhrenblüten, für die man eigentlich eine Lupe braucht. Die Zungenblüten fehlen. Gerade das gibt ihm seine unverwechselbare Optik, die mich spät im Jahr an den Rainen im ganzen Kreis Coesfeld verzaubert. Selbst nach der Blüte bietet er noch lange eine bizarre Schönheit, wenn er vom Tau oder Raureif verziert wird.

Wie gut, dass in der Natur alles seine Zeit hat. Ich freue mich auf den Herbst!

 

Autor: Ineke Webermann, Ottmarsbocholt