Die Schlehe (Prunus spinosa)

 

Auf meinen Streifzügen durch die Natur im Kreis Coesfeld begegne ich dieser Pflanze und denke zurück an den Kunstunterricht in meiner Schulzeit. Damals sollten wir einen Schlehenzweig malen, meine erste intensive Begegnung mit dieser Pflanze. Ob es mir gelang? Ich weiß es heute nicht mehr.

Doch es lohnt sich durchaus, die Schlehe näher zu betrachten. Sie beglückt uns durch ihren zarten Mandelduft, wenn sie noch vor dem Blattaustrieb mit unzähligen schneeweißen Blüten in das zeitige Frühjahr startet. Dann spendet sie nach dem Winter wichtige Nahrung für Insekten. Zahlreiche Falter profitieren von ihr als Raupenfutterpflanze. Gut geschützte Brutplätze bietet sie für Singvögel, denn sie schafft mit ihren langen Dornen als Rosengewächs eine wehrhafte Burg gegen Nesträuber.

Das dunkle, sperrige und dornige Geäst passt zu ihrem zweiten Namen: Schwarzdorn. Es wird auch  dicht aufgeschichtet in sogenannten Gradierwerken genutzt, um herabtropfende Sole immer feiner und konzentriert werden zu lassen, bis sie schließlich in der Luft als feiner Nebel ihre heilende Wirkung auf den Menschen entfalten kann.

Doch auch die Schlehe selbst wurde auf vielfältige Weise gegen das eine oder andere Zipperlein eingesetzt. Wie Funde aus der Steinzeit beweisen, war der Schlehenstrauch schon lange Begleiter des Menschen. Er nutzte ihn ebenso als natürliche Einzäunung bei der Viehhaltung. Die einfache Vermehrung des Wurzelkriechpioniers über Ausläufer spielte dabei vermutlich eine Rolle: Eine Einfriedung, die sich praktisch selber weiter baute und ein undurchdringliches Dickicht schuf.

Hecken mit Schlehen sind auch heute für das landwirtschaftlich geprägte Münsterland sehr wichtig. Sie gestalten die Münsterländer Parklandschaft mit. Außerdem leisten sie einen großen Beitrag für die Artenvielfalt und für die Biotopvernetzung.

Im Herbst trägt die Schlehe schwarzblaue, bereifte, runde Früchte in der Größe eines kleinen Daumennagels. Innen ähneln sie von Farbe und Aufteilung einer Zwetschge und tatsächlich ist sie eine Stammform der Kulturpflaume. Roh ist sie für den Menschen nicht unbedingt genießbar. Der herbe, pelzig-saure Geschmack wird mit den ersten Frösten durch Abbauprozesse in der Frucht milder. Heute werden Schlehenfrüchte noch gerne zu Marmelade oder Likör weiterverarbeitet. Wer sie im Herbst erntet, sollte den Wildtieren auch einen Teil übrig lassen. Das kann ihnen helfen, gut durch den Winter zu kommen.

Wie man sieht, eignet sich die Schlehe nicht nur für den Kunstunterricht. Doch vielleicht setze ich mich vor den Kaminofen, wenn es demnächst draußen prasselt und stürmt, trinke ein wärmendes Schlehengetränk und male.

 

Ineke Webermann, Ottmarsbocholt

Arbeitskreis Artenvielfalt

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