Schneeglöckchen – ein Versprechen auf den nahenden Frühling!

 

Kennen Sie das auch? Kaum ist der Neujahrstag vorüber und mit ihm die ruhige, gemütliche Weihnachtszeit, kaum werden die Tage ein klein wenig länger, schon zieht es mich hinaus in den Garten, auf der Suche nach den ersten, winzigen Schösslingen der Schneeglöckchen. Gestern war es bei mir wieder soweit. Und – ja! - ich habe die ersten entdeckt. Dann höre ich die Worte meiner Mutter, einer so leidenschaftlichen Gärtnerin, die mir die Liebe für das Gärtnern quasi in die Wiege gelegt hat: „Jetzt haben wir den Winter fast schon geschafft! Es beginnt ein neues Gartenjahr!!!“

 

Noch ist das erste Grün fast nur für mich sichtbar. Ich weiß ein paar Ecken im Waldgarten, im Unterholz, geschützt von einer dichten Blätterdecke, da kann man früh schon das Erwachen der kleinen Glöckchen entdecken und mit ihnen das Versprechen, dass es bald wieder Frühling wird.

 

Bei den in Gärten, Wäldern und Parks am häufigsten vorkommenden Schneeglöckchen handelt es sich um Galanthus nivalis (aus dem Griechischen: gala - Milch, anthos – Blüte, nivalis - Schnee). Es ist ein ausdauerndes Narzissengewächs, ursprünglich aus Mittel-, sowie Südeuropa und Kleinasien stammend, wohl im 17. Jahrhundert von Mönchen in die Klostergärten geholt. Die weißen Blumen galten als Symbole der Reinheit und schmückten traditionsgemäß am 2.Februar zu Mariä Lichtmess  die Altäre. Noch heute findet man die größten verwilderten Schneeglöckchenvorkommen in der Nähe alter Klöster. Von dort aus hat sich das Pflänzchen wegen seiner leichten Vermehrbarkeit in unsere Gärten und auch in die Natur verbreitet.

 

Schneeglöckchen sind langlebige Pflanzen. Sie bilden unterirdisch Zwiebeln aus, aus denen nach einer Frostperiode bei ersten Plusgraden zwei bis drei Blätter und ein Stängel austreiben. An dessen Ende entsteht zwischen Januar und März eine glockenförmige Blüte, deren Charme sich kaum jemand entziehen kann. Sie dient damit als erste Nahrung für früh ausfliegende Insekten. Die ganze Pflanze ist giftig, jedoch gleichzeitig auch Heilpflanze. Ihr wird Galantamin entzogen, das als Mittel gegen Demenz dient. Bleibt noch die Frage, warum es diesem kleinen Pflänzchen möglich ist, bei solch kalter Witterung, teils mitten im Winter, auszutreiben und zu blühen? Das liegt an der Besonderheit, dass diese Pflanze in der Lage ist, aus Stärke Glycerin zu produzieren und damit über ein körpereigenes Frostschutzmittel verfügt, das den Gefrierpunkt in den Zellen um ca. fünf Grad nach unten verschiebt.

 

Wenn Schneeglöckchen sich einmal in Ihrem Garten wohl fühlen, ist es kein Problem sie zu vermehren. Kurz vor dem Verblühen können Sie die Horste leicht teilen und an halbschattigen Stellen wieder auspflanzen. Aber auch ohne Ihr Zutun wird sich der kleine Frühlingsmelder in ihrem Garten leicht ausbreiten. Nach dem Verblühen lockt ein süßer Nährkörper am Samen Ameisen an. Sie tragen die Samen fort, fressen die Süßigkeit und lassen dann die eigentliche Frucht irgendwo liegen. So sorgen sie für weite Verbreitung der wichtigen ersten Insekten-Futterpflanze und ohne unser Zutun werden die zarten Blütenteppiche von Jahr zu Jahr dichter und malerischer. Wollen Sie es ihren Schneeglöckchen leicht machen, dann bitte nicht das Grün der verblühten Pflanzen abzupfen. Hieraus ziehen die Pflanzen die Nährstoffe für das nächste Jahr ein in die Zwiebel. Und möchten Sie einen Schneeglöckchenteppich auf ihrer Wiese ihr Eigen nennen, so bitte nicht vor Ende April das erste Mal mähen.

 

Was in den 60er Jahren in England begann, breitet sich nun mehr und mehr auch in Deutschland aus: das Schneeglöckchenfieber! Denn neben den vergleichsweise schlichten G. nivalis gibt es inzwischen bis zu 1000 Sorten gezüchteter Varietäten, die auf speziellen Börsen für oft Schwindel erregende Preise im gern auch dreistelligen Bereich angeboten werden. Pro Zwiebel, versteht sich. Diese kleinen Schätze sind dann allerdings auch geradezu kleinen Kunstwerken gleich und die Galantophilen können sich nicht satt daran sehen und über die Vor- und Nachteile der einen oder anderen Züchtung ausgiebigst philosophieren. 

 

So etwas mache ich natürlich nicht mit! Dumm nur, dass mir eine Freundin im letzten Jahr einige dieser Kostbarkeiten schenkte. Und nun hat sie mich eingeladen, mitzukommen zum Schneeglöckchenfestival. Was soll ich sagen? - Das könnte teuer werden!!!! Aber eigentlich auch wieder nicht! Denn am meisten erfreut mich Jahr für Jahr die üppige Pracht von Tausenden und Abertausenden der kleinen Blümchen die sich über unsere Wiese und den Waldgarten ergießen, als eine weiße, Glück spendende Pracht.

 

Schneeglöckchen, ei, bist du schon da?

Ist denn der Frühling schon so nah?

Wer lockte dich hervor ans Licht?

Trau doch dem Sonnenscheine nicht!

Wohl gut er´s eben heute meint.

Wer weiß ob er dir morgen scheint?

 

- Ich warte nicht, bis alles grün.

Wenn meine Zeit ist, muss ich blühn.

 

Hugo von Hoffmannsthal