Wasserdost – attraktiver Insektenmagnet in Natur und Garten

 

Bei einem der letzten Gartenspaziergänge habe ich mich gewundert, was denn in den Beeten für eine – mir bis dato – unbekannte Pflanze heranwuchs. Die hatte ich dort auf keinen Fall hingepflanzt, das wüsste ich. Sie hatte wundervolle rosa Knospen und die ersten Schmetterlinge nahmen auf ihnen Platz. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich den „Gemeinen Wasserdost“ (Eupatorium cannabinum), eine heimische Wildpflanze, die an mehreren Stellen, sicherlich wegen des wasserreichen Frühjahrs, Fuß gefasst hat.

 

Normalerweise handelt es sich um eine bis zu 1,50m hohe Wildstaude, die wir gerade jetzt im Kreis Coesfeld an vielen – falls noch nicht gemähten - Straßengräben aber auch an Waldrändern und auf feuchten Wiesen  in wundervoller rosa Blüte vorfinden. Die bei uns vorkommende Art ist eine von über hundert, die aber fast ausschließlich in Amerika vorkommen. Der Dost wurde und wird wegen seiner immunstimulierenden Wirkung als Heilpflanze angebaut. Schon seit Jahrhunderten gibt es in der Literatur der heilkundigen Frauen Hinweise auf seine Heilkraft. Eine weiß blühende Variante, der indianische Wasserdost, wurde von den Indianern wegen seiner stark sexuellen Stimulanz gern eingenommen.

 

Der oft auch gebräuchliche Name „Kunigundenkraut“  kommt aus dem Mittelalter, als der Tag der Heiligen Kunigunde ein wichtiger Tag für die Bauern war. An diesem Tag wurden auch Wetterzauber praktiziert, um den Erfolg der Ernte zu garantieren. Wollte man Regen erzeugen, musste ein Mädchen nackt zum Wasserdost gehen und die Pflanze incl. Wurzel mit dem kleinen Finger der rechten Hand herausreißen. Sodann musste die Jungfer mit der Pflanze in den nächsten Bach gehen und sie dort fortschwimmen lassen.

 

Ob dieser Brauch die Ernte wirklich beeinflussen konnte, scheint mir reichlich ungewiss. Ganz gewiss jedoch beeinflusst der Wasserdost die Natur in positivster Weise, denn er ist eine wunderbare Insektenweide. Kommt man den voll erblühten rosa Scheindolden näher, betört einen der intensive Duft. Ganze Heerscharen von Insekten werden von ihm angezogen und zahlreiche Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und Käfer erfreuen sich am reichen Nektarangebot. Bedenkt man, wie wenig Wildpflanzen in unserer „gesäuberten“ Umgebung noch wachsen dürfen, dann kommt einem solchen Nahrungsangebot für die ständig schwindende Insektenpopulation eine große Bedeutung zu. Umso wichtiger scheint es, dass sie nicht vorzeitig abgemäht werden.

 

Früher fand man in jedem alten Bauerngarten diese attraktive Pflanze. Als echte Traumstaude für jede Gartenanlage aber auch den Insekten zuliebe sollten wir ihr wieder einen Platz in unseren Gärten einräumen.  Sie fühlt sich besonders an feuchten Gewässerrändern wohl, überlebt aber auch mit einer gelegentlichen extra Wassergabe bei Trockenheit im Blumenbeet. Der Wuchs ist buschig, horstbildend und aufrecht. Mit seiner zwei Monate langen Blütezeit ist er ein dekoratives Schmuckstück, das ein jedes Blumenbeet besonders in einer blütenarmeren Zeit verschönert. In guten Staudengärtnereien findet man verschiedene Arten, auch die weiß blühende.... .

 

Wasserdost-Tee zur Immunstärkung

 

1 TL getrocknetes Kraut mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Zur Stärkung des Immunsystems max. drei Tassen am Tag für max. drei Wochen trinken.

Achtung! Überdosierungen können Brechreiz auslösen. Bei Daueranwendung oder zu hoher Dosierung kann die Leber durch Alkaloide geschädigt werden. Nicht bei Schwangeren, Stillenden und Kindern anwenden!