Pflanze des Monats April 2017: Wiesenschaumkraut

Wenn nachts im Wiesenschaumkraut die Elfen tanzen…..

 

Wenn ich morgens mit dem Hund über die Felder spaziere, dann habe ich gute Gelegenheit, die jahreszeitlichen Veränderungen und Entwicklungen in der Natur zu beobachten. Jetzt findet man an Gräben und auf feuchten Wiesen an manchen Stellen wieder eine meiner Lieblingspflanzen, das Wiesenschaumkraut. Immer wenn ich es sehe, erinnere ich mich daran, wie ich als Kind mit meinem der Natur so sehr zugeneigten Großvater durch die Wiesen streifte.  Als wir einmal eine Wiese fanden, die geradezu überschäumte mit diesen Pflanzen, kniete er sich mit mir hin und erzählte mir mit leiser Stimme das anscheinend gut gehütete Geheimnis, dass ich über eine solche Wiese niemals laufen sollte, weil in ihr die Elfenkinder wohnten und nachts in den herrlichen Schaumblüten tanzten. So hat er bei mir zwei wichtige Dinge bewirkt: Nie habe ich den Namen der Pflanze vergessen und noch heute begehe ich selbst unsere Wiese nicht, die nun auch überquillt mit diesem wunderbaren Wildkraut, weil wir sie nicht vor Ende Juli das erste Mal mähen. Und so ganz nebenbei hat er mit solchen Erlebnissen meine Liebe zur Natur geweckt.

 

Das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) ist mit seinen im April und Mai sichtbaren vier weiß bis zartrosa Blütenblättern leicht als Kreuzblütler zu erkennen. Es kommt bei uns zum Glück recht häufig vor und ist ein Anzeiger feuchter, nährstoffhaltiger Wiesen. Die Pflanze überwintert unterirdisch als Rhizom. Im Frühling entsteht bald eine kleine Blattrosette aus der dann im April oder spätestens Mai ein ca. 25 cm hoher, runder Stängel erwächst mit einem traubigen Blütenstand am Ende. Besucht werden die zahlreichen kleinen Blüten von Käfern, Bienen und Schmetterlingen. Nach der Befruchtung und der Reife kleiner Schoten, vermehrt sich das Kraut durch Ausschleudern von Samen in einem Umfeld von zwei Metern.

 

Besonderen ökologischen Wert erhält die Pflanze als bevorzugte Nahrungsgrundlage der Raupe des Aurorafalters (Anthocharis cardamines). Der Aurorafalter legt seine Eier meist an den Blütenstielen ab. Er braucht die Pflanze als Futterpflanze für seine Raupen. Wollen Sie also wieder diesen herrlichen Schmetterling in ihrem Garten und in der Landschaft sehen, müssen die Bestände vor dem allgegenwärtigen, viel zu frühen Mähen geschützt werden.

 

Den Namen hat das Wiesenschaumkraut von einem anderen Insekt erhalten. Die Wiesenschaumzikaden leben auf den Pflanzen, saugen ihren Nahrungssaft und legen in ein von ihnen produziertes schaumartiges Gebilde ihre Eier ab, um sie vor Fressfeinden zu schützen und für die notwendige Feuchtigkeit bei der Entwicklung der Larven zu sorgen.

 

Vielleicht haben Sie Lust auf einen Frühlingsspaziergang? Dann halten Sie doch Ausschau nach der kleinen Cardamine. Und wenn Sie mögen, nehmen Sie Ihre Kinder oder Enkel mit und zeigen ihnen das wertvolle Pflänzchen. Erklären Sie, dass man es nicht abpflücken sollte, da es in der Vase sehr schnell verwelkt, in der Natur aber wichtig ist für die Insekten, die wiederum als Nahrung für unsere Vögel unverzichtbar sind. Und wenn Sie mögen, erzählen Sie auch von den Elfenkindern…. . Vielleicht erziehen Sie sie so auch wieder zu Jugendlichen und Erwachsenen, die die Natur lieben und ihr mit dem nötigen Respekt begegnen, den es braucht, sie zu erhalten.

Raupe des Aurorafalters. Foto: Detlev Kröger